Freund oder Feind? – der erste Eindruck

Warum der erste Eindruck so wichtig ist

Das Verhalten ist tief in uns verankert und wir können uns nicht dagegen wehren: Innerhalb von Sekundenbruchteilen bilden wir uns ein Urteil über einen Menschen. Dabei stellen wir uns zwei Fragen:

  1. Können wir dieser Person vertrauen?
  2. Können wir diese Person respektieren?

Aus evolutionärer Sicht waren diese Fragen überlebenswichtig. Bei der Begegnung mit einem Fremden, stellte sich unmittelbar die Frage „Freund oder Feind“? „Kann ich meinem Gegenüber vertrauen oder nicht?“

Die zweite Frage, die Frage des Respekts, zielt auf die Fähigkeiten eines Menschen: „Sieht er aus, als könne er gut mit einer Keule oder einem Speer umgehen?“ Auch dies war eine Frage von Leben und Tod, von Kampf oder Flucht. Konnte der muskulöse Fremde gut mit einer Waffe umgehen, war es vorteilhaft, wenn er sich als Freund entpuppte. Sonst war es wahrscheinlich die letzte Begegnung mit ihm.

Die Erfahrungen der Höhlenmenschen stecken bis heute in uns. Daher ist der erste Eindruck auch heute noch entscheidend für die zukünftige Beziehung zu unserem Gegenüber. Beim Thema Vertrauen sprechen Wissenschaftler von der psychologischen Dimension der „Wärme“. Sie entscheidet, ob wir bereit sind, uns mit einer Person einzulassen, zum Beispiel in einem Team zusammenzuarbeiten. Die Frage des Respekts steckt in der psychologischen Dimension „Kompetenz“. Der Clou dabei ist: Aus evolutionärer Sicht ist Kompetenz nachrangig zur Vertrauensfrage. Das zeigt das Beispiel Höhlenmensch: Der gekonnte Umgang mit dem Speer mag den Fremden zum Helden machen – das nützt nur nichts, wenn er ein Feind ist.

Was haben Höhlenmenschen nun mit Personalpolitik in deutschen Unternehmen zu tun? Eine Menge! Führungskräfte werden in der Mehrzahl der Fälle nach fachlicher Kompetenz ausgewählt. Die emotionale Intelligenz der ausgewählten Kandidaten spielt häufig eine untergeordnete Rolle. Damit wird aber die tief in uns verankerte Reihenfolge der Dimensionen Wärme und Kompetenz vertauscht. Die Folge: Die neue Führungskraft stellt sich vor und im Team fehlt das Vertrauen. Dabei sitzen Anzug und Krawatte perfekt, die Schuhe sind geputzt und die Führungskraft hat ihr schönstes Lächeln aufgelegt.

Nach einem ersten Scan im Millisekunden-Bereich hat die neue Führungskraft vier Minuten Zeit, Menschen durch Stimme, Mimik, Gestik, Haltung, Blickkontakt und die richtige Wortwahl zu überzeugen. Dann schließt sich die Schublade und der erste Eindruck verfestigt sich zu einem Urteil über die Person. Zum Trost der Führungskraft sei gesagt: Der erste Eindruck beruht auf Gegenseitigkeit. So wirken auch die Mitarbeiter durch ihre Haltung, Gestik, Stimme usw. Oft sind wir uns dessen aber gar nicht bewusst.

Seminare helfen, den eigenen Auftritt zu optimieren. Selbst- und Fremdwahrnehmung spielen dabei eine wichtige Rolle. Und wie bei so vielem gilt: Übung macht den Meister.

Für einen überzeugenden ersten Eindruck ist nicht nur die Wahl der passenden Krawatte entscheidend. Viele andere Faktoren bestimmen, ob wir ein Gegenüber auf Anhieb mögen oder nicht.

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