Warum wir immer wieder tun, was wir tun

Es ist wie verhext. Beim herzhaften Gähnen nehmen wir uns morgens vor, am Abend früher schlafen zu gehen – und dann wird es doch wieder fast Mitternacht. Der Film im Fernsehen dauert länger als gedacht. Die Tafel Schokolade, die wir dabei verputzen, ärgert uns zusätzlich. Ausschlafen schieben wir aufs Wochenende. Doch halt, wollten wir da nicht morgens joggen gehen? Nein, dieses Wochenende noch nicht. Die Woche ist viel zu anstrengend. Und Ausschlafen muss ja auch sein. Aber vielleicht können wir mal einen Obsttag einlegen.

Warum fällt es uns so schwer, Gewohnheiten zu ändern?

Warum essen wir Schnitzel mit Pommes, statt Salat?

Warum liegen wir auf der Couch, statt spazieren zu gehen?

Warum also tun wir Dinge, obwohl wir wissen, dass sie nicht gut für uns sind?

Weil unser Schweinehund mächtiger ist als unsere Selbstdisziplin. Er wohnt in unserem Kopf und bewahrt uns davor, vermeintlich unangenehme Dinge anzugehen. Im Laufe unseres Lebens schleichen sich auf diese Weise viele Gewohnheiten ein, die wir nur noch schwer loswerden.

Dabei sind Gewohnheiten gar nicht so schlecht wie ihr Ruf.

Wir brauchen sie, damit wir unser Leben nicht jeden Tag neu planen müssen. Von morgens bis abends ist unser Tag durch Gewohnheiten bestimmt. Aufstehen, Frühstück, Zähneputzen, der Weg zur Arbeit – ohne routinierte Abläufe wären wir dabei völlig überfordert.

Wie wichtig Gewohnheiten sind, spüren wir immer dann, wenn wir etwas Neues lernen. Wir müssen uns stark konzentrieren und jeden Schritt ganz bewusst erledigen.

Erst im Laufe vieler Wiederholungen wandert die neue Tätigkeit von unserem Bewusstsein ins Unterbewusstsein. Das hat für uns den Vorteil, dass unser Gehirn wieder freie Kapazitäten für neue Informationen und Sinneseindrücke hat. Durch Gewohnheiten können wir Dinge gleichzeitig erledigen, zum Beispiel Autofahren und Telefonieren, und uns dadurch effizienter organisieren.

Da sich unser Gehirn alle Abläufe merkt, die wir erfolgreich durchführen, wandern auch schlechte Angewohnheiten mit der Zeit in unser Unterbewusstsein. Der Verzehr von Süßigkeiten gehört dazu. Unser Gehirn liebt energiereiche Kost und belohnt uns deshalb mit dem Glückshormon Dopamin. Wer sich nach einem stressigen Arbeitstag mit Schokolade belohnt, erlebt deshalb ein unmittelbares Glücksgefühl.

Wollen wir uns schlechte Gewohnheiten abgewöhnen, müssen wir uns ganz bewusst dagegen entscheiden.

Das ist anstrengend, besonders, wenn wir uns durch Stress ohnehin innerlich erschöpft fühlen. Damit wir unser Gehirn langfristig umprogrammieren, müssen wir uns immer wieder gegen die schlechte Gewohnheit wehren – oder sie einfach durch eine gute Gewohnheit ersetzen.

Motivationspsychologen empfehlen, eine positive Vision zu entwickeln. Woran merken Sie, dass Sie Ihre schlechte Angewohnheit überwunden haben?

Ein Beispiel:

„Wenn ich langfristig auf Süßigkeiten verzichte, werde ich wieder in meine Lieblingsjeans passen.“

Überlegen Sie sich außerdem schon vorher, welche alternative Handlungsmöglichkeiten Sie haben, wenn die schlechte Gewohnheit sich zurückmeldet. Putzen Sie zum Beispiel Ihre Zähne, wenn der Heißhunger auf Schokolade kommt. Stellen Sie einen Obstteller auf den Couchtisch, um trotzdem den Knabber-Effekt zu genießen. Setzen Sie sich klare und vor allem erreichbare Ziele. Es ist unrealistisch zu sagen „Ich esse nie wieder Schokolade!“.

Überlegen Sie, was für Sie machbar ist.

Zum Beispiel:

„Ich esse Schokolade nur noch am Wochenende und vor dem Fernseher in Zukunft Obst.“Wenn Sie das mühelos schaffen, wird der Erfolg Sie zum Weitermachen motivieren. Und wie das mit vielen Wiederholungen so ist – irgendwann sind sie Teil Ihres Unterbewusst­seins und eine echte Gewohnheit geworden.

 

Zum Schweinehund gibt es zwei Geschichten:

  1. Im Mittelalter war es der Hund der Schweinehirten. Diese waren gesellschaftlich nicht angesehen und galten als träge. So war auch der Hund bald ein „träger Köter“.
  2. Im 19. Jahrhundert wurden „Sauhunde“ zur Wildschweinjagd eingesetzt und hetzten diese, um sie zum Ermüden und Aufgeben zu zwingen. Dies wurde später auf den Menschen übertragen.
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